Weihnachtsgrüße aus Australien

Weihnachtsgrüße aus Australien

Den Duft von Weihnachten gibt es nur zu Hause

Sophie Beitmann feiert 16.000 Kilometer von ihrem Zuhause in Idensen entfernt

Fertig mit der Schule, das Abitur in der Tasche und mit gerade einmal 18 Jahren soll man nun entscheiden, welchen Weg man im Leben gehen will. Das ist gar nicht so einfach, und ich bin mir sicher, dass ich nicht die Einzige bin, die kurzzeitig keine Idee hatte, was sie machen will. Aber zum Glück habe ich schnell eine Möglichkeit gefunden, das nächste Jahr ohne Ausbildung oder Studium zu überbrücken. Für mich sollte es von Idensen nach Australien gehen.

Aber erst einmal von vorn: Ich bin Sophie, inzwischen 19 Jahre alt und komme aus Idensen. Vor ein paar Monaten bin ich in den Flieger nach Australien gestiegen. Das war ein seltsames Gefühl: zu wissen, dass man in ein paar Stunden 16.000 Kilometer von zu Hause entfernt in einer fremden Stadt, einem fremden Land, ohne Freunde und Familie ist. Weg von allem, was einen bis jetzt umgeben hat. Ich muss zugeben, ich war aufgeregt. Als mein Bus am 24. Juli in Horsham, Victoria, ankam und Anne mich sofort herzlich in ihre Arme schloss, wusste ich, dass ich keine bessere Familie hätte finden können. Und hier bin ich also. Bei einer sechsköpfigen Familie mit drei Kindern, die mir die letzten Monate meine Grenzen aufgezeigt haben, die mich zu Dingen überredet haben, an denen ich gewachsen bin, und vor allem, die ich wahnsinnig in mein Herz geschlossen habe. Und die ich bei dem Gedanken daran, dass ich sie nach Weihnachten verlassen muss, jetzt schon vermisse.

Damit ihr euch meinen Alltag mal ein bisschen besser vorstellen könnt, versuche ich, das Ganze mal zusammenzufassen. Morgens bringe ich die beiden großen Kinder (8 und 9 Jahre) zum Bus und hole sie dort nachmittags auch wieder ab. In der Zwischenzeit bin ich mit dem Kleinen (4 Jahre) alleine zu Hause und sorge für Unterhaltung. Für manche mag das vielleicht langweilig klingen, zumal ich auf einer Schaffarm mit 12.000 Schafen um mich herum lebe. Hier ist also nicht wirklich viel los, aber genau aus diesem Grund liebe ich es vermutlich. Morgens vom Vogelgezwitscher geweckt zu werden, den Tag über auf der Farm zu spielen und abends den Sonnenuntergang über dem See zu genießen. Das ist für mich tausendmal schöner als eine laute und stickige Großstadt.

Die letzten Monate habe ich viel erlebt, bin gereist, habe neue Menschen aus aller Welt kennengelernt und bin froh, diese Erfahrungen machen zu können. Auch wenn ich natürlich ein paar Dinge vermisse. In erster Linie natürlich meine Familie und Freunde, aber eben auch die kleinen Dinge wie etwa deutsches Brot. Und nun kommt das vermutlich schwerste und größte Ereignis auf mich zu: Weihnachten. Das Familienfest, geprägt von Traditionen und Bräuchen, die jede Familie für sich entwickelt hat. Mein erstes Weihnachten ohne meine Eltern, mit Plastiktannenbaum und in T-Shirt und kurzen Hosen. Unterschiedlicher zu Weihnachten zu Hause hätte es nicht sein können.

Ich habe eigentlich keine Vorstellung davon, wie Weihnachten unter diesen Bedingungen aussehen soll. Ich weiß aber, dass Familie hier auch an erster Stelle steht und es so eine große Familienfeier mit lauter leckeren Dingen bei der Oma geben wird. Anders als in Deutschland oder zumindest bei uns daheim gibt es die Geschenke hier erst am Morgen des 25. Dezember und nicht an Heiligabend. Am Ende ist es dann aber doch ein ganz normales Weihnachten mit der Familie, wie ich es aus Deutschland kenne.

Was ich am meisten vermissen werde in dieser Zeit? Meine Familie und Freunde, aber auch das Wetter. Weihnachten muss eben doch kalt und verschneit oder zumindest verregnet sein. Ich werde es vermissen, dass es abends um 5 Uhr dunkel wird und man all die schönen bunten Lichter der Nachbarhäuser bewundern kann. Ich werde es vermissen, mit einer Tasse Tee oder heißer Schokolade auf dem Sofa in drei Decken eingehüllt zu liegen und ein gutes Buch zu lesen, und ich werde den Geruch eines echten Tannenbaumes im Wohnzimmer vermissen. Ich werde generell den Geruch von Weihnachten vermissen, auch wenn ich ihn nicht beschreiben kann. Diesen typischen Geruch, den nur Weihnachten hat und der einen immer an die Zeit mit seiner Familie erinnert. Ich glaube, ich vermisse sogar den Weihnachtsstress in all den Läden und die Leute ein bisschen, die ständig über das schlechte Wetter meckern und sich nichts sehnlicher wünschen als weiße Weihnachten oder eben Sonne.

Liebe Leute, nehmt Weihnachten, wie es kommt. Genießt die Zeit mit euren Familien. Lasst euch nicht von all dem Stress, der mit Weihnachten verbunden ist, abschrecken und habt ein schönes Fest. Vielleicht wird es das beste eures Lebens. Wer weiß das schon im Voraus? Und vielleicht wagt ihr mal was Neues. Es muss ja nicht gleich Australien sein, aber vielleicht brecht ihr mit ein paar Traditionen und findet etwas, was euch viel besser gefällt.

Dank der sozialen Netzwerke werde ich trotz Tausender Kilometer Entfernung an Weihnachten mit meiner Familie telefonieren können und immerhin einen Teil des Festes mit ihr verbringen. Aber ich habe dieses Jahr eben auch seit Langem mal wieder Weihnachtskarten an Freunde und Familie verschickt. Wäre ich in Deutschland, hätte ich das vermutlich nicht gemacht. Da hätte eine kurze Nachricht über Whatsapp gereicht. Euch allen eine schöne und besinnliche Weihnachtszeit mit vielen schönen Momenten im Kreise eurer Familien und einen guten Rutsch ins Jahr 2018!

Sophie Beitmann

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