Weihnachtsgrüße aus Brasilien

Weihnachtsgrüße aus Brasilien

Nach dem Segeltörn geht es zurück nach Buenos Aires zum Feiern

Marieke Abram hat in Argentinien ihre zweite Familie gefunden

Meine ganz persönliche argentinische Weihnachtsgeschichte beginnt eigentlich gar nicht in diesem Jahr, sondern im Juli 2011. Mit 17 Jahren bestieg ich damals ein Flugzeug, das mich zum ersten Mal zu einem Kontinent bringen sollte, in den ich mich drei Monate später verlieben sollte. Anfang Juli 2011 wusste ich von alldem noch nichts. Mein Schüleraustausch dauerte drei Monate, und ich wohnte bei einer Familie, die heute zu meiner zweiten Familie geworden ist: Das sind die Villarroels, der Vater Claudio, die Mutter Cristina und meine drei Gastschwestern Clara (20), Mercedes (23), und Agustina (26).
Auf den Austausch 2011 folgte der Gegenbesuch einer der drei Gastschwestern, Mercedes. Im Jahr darauf flog ich erneut nach Argentinien, zum zweiten Mal, für ein Freiwilliges Soziales Jahr nach dem Abi. Erneut wohnte ich bei meiner Gastfamilie. Es folgte der Gegenbesuch einer der drei Schwestern und der Mutter. Drei Jahre später, nach meinem Bachelor in Geschichte und Spanisch, flog ich erneut nach Buenos Aires, um die Semesterferien auszunutzen und zusammen mit Mercedes Peru zu entdecken.
Gefolgt wurde dieser Besuch von einem Besuch Claras, die Weihnachten mit meiner Familie und mir verbrachte und zusammen mit mir nach Dänemark reiste.
Ein halbes Jahr später war ich wieder dran – und deshalb bin ich heute hier.

Zurzeit verbringe ich während meines Masters ein Auslandssemester an der Universidad de Buenos Aires, an der ich Kurse in Geschichte und Literatur belege. Ich studiere mittlerweile im dritten Mastersemester Geschichte und Spanisch auf Lehramt.
Das Semester hat hier bereits im Juli begonnen. Bei der UBA handelt es sich um eine öffentliche Universität, denn im Gegenteil zum Schulsystem, das von privaten Schulen dominiert wird, zeichnen sich hier im universitären Bereich die öffentlichen Unis aus. Während des gesamten Semesters hatte ich die Möglichkeit, ein Bildungssystem kennenzulernen, das sich vollkommen von dem mir bekannten in Deutschland unterscheidet. Allein das Gebäude gleicht in keinem Aspekt dem der Universität Göttingen. Heizung oder Klimaanlage sind so ziemlich undenkbar, Fensterscheiben sind überwiegend, aber nicht immer, vorhanden und Türen existieren schon aus Prinzip kaum. Die Räume sind eingerichtet mit Metallstühlen und einem steinernen Pult für die Lehrenden. Technische Ausstattung habe zumindest ich persönlich noch nicht gesehen. Obwohl die Lehrmethoden hauptsächlich aus Vorträgen bestehen, kann ich nach fünf Monaten sagen, dass sie trotzdem extrem informativ sind. Nach anfänglichen Eingewöhnungsproblemen ist die Uni für mich zum Alltag geworden.

Seit einer Woche ist das Semester hier vorbei, und das bedeutet für mich, dass meine Sommerferien nun beginnen. Zurzeit bin ich zusammen mit meiner argentinischen Familie in Brasilien auf einem Segeltörn. Von dort stammt auch das Foto. Wir schippern von Angra dos Reis, etwa 170 Kilometer entfernt von Rio de Janeiro, für zehn Tage die brasilianische Küste entlang. Adventsstimmung oder vorweihnachtliche Gefühle kommen da nicht auf, ich kann gar nicht glauben, dass bei so viel Hitze wirklich Dezember ist. Und Adventskalender kennt hier sowieso niemand.
Weihnachten werde ich dann wieder zurück in Buenos Aires sein und die Festtage mit der Familie verbringen.

Weihnachten unterscheidet sich hier grundsätzlich von dem, was ich aus Deutschland kenne. Allein durch die umgekehrten Jahreszeiten kommen völlig andere Gefühle auf. Die vier Adventssonntage kennt man hier nicht, von Weihnachtsmärkten ganz zu schweigen. Das Fest beginnt am 24. Dezember abends, recht spät, mit einem großen Abendessen. Um Mitternacht werden dann die Geschenke verteilt, oft gibt es ein Feuerwerk. Der 25. Dezember ist ebenfalls ein Feiertag, den man größtenteils am Pool oder an einem anderen kühlen Ort verbringt. Ein typisches weihnachtliches Essen ist nicht etwa Gänsebraten, sondern Pan Dulce (süßes Brot) mit getrockneten Früchten.

Nach Weihnachten geht es für mich dann erneut auf Reisen – ein bisschen zögere ich das Wiedersehen mit den kalten deutschen Temperaturen noch heraus. Trotz des Sommers und aufregender neuer Dinge vermisse ich doch die deutsche Vorweihnachtszeit. Nur allzu gern wäre ich am Heiligabend für einen Moment in unserem gemütlichen Wohnzimmer mit dem großen Tannenbaum zusammen mit Mama, Papa und meiner Zwillingsschwester. Deshalb grüße ich euch jetzt auf diese Weise ganz, ganz lieb und drücke euch fest. Fröhliche Weihnachten euch und dem Rest der Familie. Grüßt Deutschland von mir. Ich hab euch lieb!

Marieke Abram

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