Weihnachtsgrüße aus Australien

Weihnachtsgrüße aus Australien

Ein Känguruh im Vorgarten, Schmetterlinge am Weihnachtsbaum

Louisa Katharina Schulz aus Bad Münder entdeckt Australien

Vor gut fünf Monaten bin ich ins Flugzeug nach Down Under gestiegen – voller Aufregung, mit gemischten Gefühlen und einer großen Portion Abenteuerlust. Nach meiner Ankunft in Sydney und einem einmonatigen Aufenthalt als Au-pair in Melbourne ging meine Reise weiter zu meiner jetzigen Gastfamilie in Australiens unscheinbarer Hauptstadt Canberra.

Andere Städte des Kontinents scheinen auf den ersten Blick attraktiver zu sein. Schließlich verbindet man Australien mit Hitze, Strand und Meer und nicht mit Wäldern, Seen und Politikgebäuden in einer etwas zu groß geratenen Country town, wie mein Gastvater Canberra gern nennt. Doch die Stadt ist Australien pur. Papageien in den schillerndsten Farben fliegen hier herum, und Kängurus sitzen nicht nur in unserem Vorgarten, sondern auch mitten in der Innenstadt. Im nahe gelegenen Naturreservat Tidbinbilla haben wir Kaninchenkängurus, Ameisenbären und Wombats in freier Natur gesehen und Koalas in den Bäumen beobachtet. Von den gefürchteten Spinnen und Schlangen bin ich bisher überwiegend verschont geblieben – hoffen wir, dass es so bleibt.

Tierisch geht es auch bei uns im Haushalt mit den beiden „Monkeys“ weiter, wie australische Eltern ihre Kinder liebevoll bezeichnen, und unserem kleinen, alten Hund, der nicht mehr ganz so fit ist. Dafür sind meine acht- und elfjährigen Gastkinder um so aktiver.

Glücklicherweise ist mittlerweile auch der Sommer in Canberra angekommen, schließlich war der australische Winter außerordentlich kühl und verregnet. Doch mittlerweile scheint die Sonne bei gut 35 bis 40 Grad Celsius. Die Vorstellung, im Sommer Weihnachten zu feiern ist, war von Anfang an ungewohnt.

Kurz nach meiner Ankunft im nahezu winterlich-frischen August wurden schon die Weihnachtsglocken geläutet. Glücklicherweise vorerst nur in den Weihnachtsfilmen, die mein acht-jähriges Gastmädchen rauf und runter schaute. Sehnsüchtig wartete die Kleine darauf, alles für Weihnachten zu schmücken. Die ganze Familie baute am 25. November – genau einen Monat vor Weihnachten – den Plastikweihnachtsbaum zusammen und schmückte ihn mit pink- und lilafarbenden Kugeln sowie einer Schmetterlingslichterkette. In den darauffolgenden Tagen haben meine Gastkinder mit Unterstützung meines guten Freundes Robin und mir Adventskalender gebastelt.

Meine Gastmutter hat meinetwegen sogar einen Adventskranz gekauft, nachdem ich ihr berichtet hatte, dass meine Mama in Deutschland gerade unseren Kranz schmückt. Er ist allerdings nicht aus Tannenzweigen, sondern besteht aus einem Metallrad mit Platz für vier Kerzen. Auch die geliebten Weihnachtsplätzchen haben Robin, meine Gastkinder und ich gebacken und verziert. Anschließend sind wir zur Abkühlung in den Pool gesprungen. Nicht nur die Kekse, sondern auch das selbst gebackene deutsche Brot nach elterlichem Rezept wurden als kulinarische Köstlichkeit von meiner Gastfamilie in die Rezept-Palette aufgenommen.

Anders als in Deutschland feiert man hier Weihnachten übrigens am Morgen des 25. Dezember. Dennoch gibt es schon am sogenannten Christmas Eve, dem 24. Dezember, ein Weihnachtsessen. Die Australier essen vorzugsweise zu diesem Anlass Truthahn und zum Nachtisch Pavlova, Käsekuchen oder warmen Scotch Pudding. Anschließend werden wir zum Christmas-Carol-Konzert gehen und einen Spaziergang zu den neonfarben blinkenden Weihnachtshäusern mit Seifenblasenmaschinen in unserem Vorort machen.
Am 25. Dezember frühstücken alle im Schlafanzug, sitzen im Wohnzimmer bei den Geschenken zusammen, dann geht es in den Pool. Später treten meine Gastfamilie und ich den jährlichen 14-stündigen Trip nach Adelaide zu den Eltern meines Gastvaters an, um mit der restlichen Familie Weihnachten zu zelebrieren.

Doch bevor es so weit ist, geht es für meine Gastfamilie und mich noch in den Weihnachtsurlaub an den Strand, bei dem ich das erste Mal in meinem Leben Bodysurfen probieren werde. Außerdem schauen wir vorher noch ein Cricketspiel australischer Teams im Stadion und besuchen eine Weihnachtsfeier bei Freunden. Weihnachtsfeiern im eigenen Haus, bei denen jeder kommen und gehen kann, wie er möchte, sind typisch für Australier.

Glücklicherweise gibt es zahlreiche technische Möglichkeiten für regelmäßigen Kontakt zu den Liebsten nach Hause. Natürlich werde ich das auch an Weihnachten nutzen. Aus diesem Grund wird der Weihnachtstag für mich voraussichtlich schon früh beginnen, um mit zehn Stunden Zeitverschiebung ein wenig Heiligabend mit meinen Liebsten zu feiern. In jedem Fall werde ich all die lieben Menschen daheim besonders zum Fest sehr vermissen. Der Duft von echter Tanne wird mir ebenso fehlen wie die glänzend roten Weihnachtskugeln an unserem Baum und das Hoffen auf eine weiße Weihnacht, das hier in Australien vergeblich ist.

Voraussichtlich Mitte April werde ich Canberra erst einmal auf ungewisse Zeit verlassen, und zwar mit meiner besten Freundin aus Deutschland, der lieben Lina, um Australien zu erkunden. Mitte Juni geht es zurück in das hoffentlich sommerliche Deutschland.

Ich wünsche allen wunderschöne besinnliche Weihnachtstage, ein wenig Schnee und einen guten Rutsch in das Jahr 2019. Herzlich Dank an alle, die mich auf meinem Weg begleiten und unterstützen.

Louisa Katharina Schulz

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