Weihnachtsgrüße aus DundeeIsabelle Jeschar aus Hannover in Dundee

Weihnachtsgrüße aus Dundee

Schotten übernehmen Bräuche aus anderen Ländern

Lara Isabelle Jeschar studiert an der Universität von Dundee

Mein Name ist Lara Isabelle Jeschar, ich lebe und studiere derzeit in einer kleinen Studentenstadt namens Dundee in Schottland. Seit Ende August genieße ich jede Minute hier in Großbritannien, ob in der Universität oder in meiner freien Zeit. Ich habe mich dazu entschieden, zwei Semester im Ausland zu verbringen und bin mir nun sicher, dass dies die richtige Entscheidung war! Ich studiere Architektur, und jeder Architekturstudent weiß, dass dieses Studium sehr zeitintensiv ist. Vor Studienbeginn mietete ich mir für eine Woche ein Auto, um die Umgebung und das Land besser kennenzulernen. Die ersten zwei Tage waren äußerst ungewohnt, denn zum ersten Mal hatte ich das Steuer auf der rechten Seite und musste somit auf der linken Seite fahren. Jedoch ließ die Aufregung nach einigen Tagen nach, und die Fahrten wurden von Tag zu Tag entspannter. Ich besichtigte viele Schlösser und Burgen, fuhr duch einsame Straßen und Dörfer, genoss die Landschaft der Highlands und aß traditionell am Hafen Fish and Chips.

Trotz dieser schönen ersten Eindrücke ist jeder Anfang schwierig. Man kennt niemanden, man beherrscht die Sprache nicht zu hundert Prozent, man ist dadurch etwas zurückhaltender. In der dritten Woche des Studienbeginns wurde eine Exkursion nach Cambridge/England organisiert, welche sich auf unser damals kommendes Projekt bezogen hat. Das war ein wichtiger Schritt, um meine Kommilitonen besser kennenzulernen. Ich wurde sehr gut aufgenommen und fühle mich heute unglaublich wohl! Ich gehöre einfach dazu! Ich empfinde es so, als würde ich meine Gruppe schon seit Jahren kennen. Ich verbringe jeden Tag mit meinen Kommilitonen im Studio der Fakultät Architektur. Wir arbeiten, wir fluchen, wir lachen, wir albern herum und dennoch stellen wir Woche für Woche unglaublich tolle Projekte auf die Beine. Wie jedes Jahr findet man im September schon die ersten Zimtsterne in den Einkaufszentren, meiner Meinung nach viel zu früh. Jeder kennt es! Auch hier konnte man die ersten Lebkuchenherzen schon sehr früh in Mengen kaufen. Nun ist Mitte Dezember und die Stadt füllt sich mit Menschen, jeder versucht verzweifelt Weihnachtsgeschenke zu finden. Auch dies ist nichts Neues für mich. Die Weihnachtslichter funkeln bunt in der Dunkelheit, und wir wissen, Weihnachten steht vor der Tür. Doch ich bevorzuge die traditionelle schlichte einfarbige Festbeleuchtung. Jedem das Seine! Ich vermisse den klassischen Adventskranz und den gut gefüllten Adventskalender – diese sind hier leider nirgends zu finden. Und vor allem fehlt mir der Schnee, weit und breit kein Schnee. Bald fliege ich über die Weihnachtsfeiertage nach Deutschland, denn Weihnachten ist und bleibt ein Familienfest!

Tatsächlich ist in Schottland der 25. Dezember erst seit 1958 ein offizieller Feiertag. Da Weihnachten viele Jahre nicht offiziell gefeiert wurde, übernahmen die Schotten zahlreiche Bräuche aus anderen Ländern. Ein Beispiel hierfür finden wir in Edinburgh, denn dort können wir einen nach deutscher Tradition eröffneten Weihnachtsmarkt besuchen. Das Weihnachtsmenü besteht nach englischer Tradition vorwiegend aus Truthahn und Black Pudding (Blutwurst).

Nun spreche ich diejenigen an, die mit dem Gedanken spielen, sich für ein Auslandssemester zu entscheiden, jedoch Zweifel und Ängste davor haben. Habt keine Angst – seid mutig und tut es! Ihr werdet unglaublich viele Erfahrungen sammeln, eure Persönlichkeit stärken und viel Neues entdecken und erleben. Ihr werdet große Freude daran haben und ich bin mir sehr sicher, dass ihr es nicht bereuen werdet.

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